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1903:
Flaminio kommt am 10. Januar in Masnago zur Welt, einer kleinen
Stadt in der norditalienischen Provinz Como, die später (1927) zur
Provinzhauptstadt Varese eingemeindet wird.
1918:
Diplom an der technischen Hochschule "Francesco Daverio" in Varese.
Nach dem Tod des Vaters bricht er seine Studien ab und beginnt zunächst
ein Schreiner-Praktikum bei der ortsansässigen Karosseriewerkstatt
"Carrozzeria Macchi", bevor er in die Abteilung der Karosseriebauer
wechselt, wo seine Leidenschaft für das Automobil geweckt wird.
1919:
Als großer Bewunderer von Leonardo da Vinci und Michelangelo beginnt
er mit Zeichnen und Formen unter der Leitung von Prof. Giuseppe
Talamoni, und besucht die Werkstätten der Skulpteure Lodovico
Pogliaghi und Enrico
Butti,
mit denen er an der Gestaltung des Kriegsdenkmals in Varese zusammenarbeitet.
1922:
Beeindruckt von seinen Leistungen als Zeichner, überträgt ihm die
Geschäftsführung von Macchi die Leitung der Planungs-Abteilung.
1923: Als eine Gruppe von französischen Technikern die Firma Macchi
besucht, sehen sie Bertonis Entwürfe, und laden ihn ein, seine Kenntnisse
in Frankreich zu erweitern. Er bricht daraufhin im April nach Paris
auf.
1925:
Bertoni kehrt nach seinen Erfahrungen in Frankreich wieder zu Macchi
zurück und nimmt dort den Posten als Chefzeichner an. Er eröffnet
in Varese seine eigene Künstler-Werkstatt in der Via Indipendenza
3.
1929:
Nach Differenzen mit der Geschäftsführung über seine Arbeiten verläßt
er Macchi und gründet ein Projektbüro im Quartiere Vittoria Nr.
7 (später umbenannt in Via Francesco Crispi) in Varese. Seine ersten
Kunden sind "Carrozzeria Varesina" sowie "Carrozzeria Baroffio"
in Malnate, einem Vorort von Varese.
1930:
erstmalige Teilnahme an drei Ausstellungen: in Varese "Mostra di
San Pedrino", in Mailand "Esposizione Sociale" der Akademie der
Feinen Kunst, deren Mitglied Bertoni seit 1928 ist, sowie in Rom
bei der "Ersten nationalen Ausstellung: Das Tier in der Kunst".
1931:
Flaminio verliebt sich in die junge Giovanna
Barcella, aber seine Mutter ist gegen diese Beziehung, da sie
ihn mit seiner Cousine verheiraten will. Er schließt seine beiden
Läden und verläßt Varese mit Giovanna gen Paris.
1932:
Am 25. April kommt sein Sohn Leonardo
zur Welt. Am 27. Juni wird er bei Citroen eingestellt.
1933:
Er entwirft den Traction
Avant in einer einzigen Nacht in Plastillin: zum ersten Mal
in der Geschichte des Automobilbaus wird ein Fahrzeug nicht auf
dem Papier entworfen.
1934:
Der Traction Avant erscheint am Automobilmarkt. Bertoni stellt nun
auch sein Schaffen in Frankreich aus, und erreicht auf Anhieb den
3. Preis für eine Skulptur auf der "4. Ausstellung der Feinen Künste"
in Asnieres.
1935:
Seine Skulpturen auf der "5. Ausstellung der Feinen Künste" in Asnieres
sowie der "Städtischen Kunstausstellung" in Versailles gewinnen
jeweils den 2. Platz. Bei Citroen beginnt er unter der Leitung von
Pierre Boulanger mit den Arbeiten für den späteren 2
CV. Die Karosseriebaufirma "Carrozzeria Baroffio" in Malnate
baut unter seiner Leitung den ersten Autobus mit "totaler Sicht",
d.h. der Aufbau liegt über dem Motor.
1936:
Zusammen mit anderen italienischen Künstlern (De Chirico, De Pisis,
Corbellini) stellt er in der "Galerie Carmine" in Paris aus. Seine
beinahe schon besessenhafte künstlerische Arbeit läßt zuwenig Zeit
für die Familie übrig, und so entschließt sich Giovanna, sich von
Flaminio zu trennen und kehrt am 15. Februar zusammen mit ihrem
Sohn Leonardo nach Italien zurück. So kann Bertoni an vielen Ausstellungen
teilnehmen: "Salon des Tuileries", "Salon d'Automne", "Salon des
Artistes Independants", "Salon des Artistes Francais". Im Auftrag
für die Firma ERSA aus Courbevoie konzipiert er ein Fahrzeug auf
drei Rädern, den V3R. Es kommt über den Prototypen- Status jedoch
nicht hinweg. Erst 1954 wird es unter dem Namen "MATHIS
333" am Markt erscheinen.
1937:
Sein Sohn Leonardo kehrt mit Angela, der Großmutter väterlicherseits,
nach Paris zurück.
1939:
Für das erste Lieferfahrzeug von Citroen auf Ein-Plattform-Basis,
den T.U.B.,
liefert er die Entwürfe. Den drohenden Kriegsbeginn vor Augen, schickt
Bertoni seinen Sohn und seine Mutter zurück nach Italien. Im Frühling
präsentiert er seine erste eigene Ausstellung in der Galerie "Dyes
Carmine" in Paris, im August dann auch in Varese.
1940:
Nach der Kriegserklärung durch Italien ist Bertoni zum potentiellen
Staatsfeind geworden. Seine Weigerung, die italienische Staatsbürgerschaft
abzulegen, führt zu seiner Verhaftung am 11. Juni und die drohende
Abschiebung in die französischen Kolonien. Die Ankunft der deutschen
Truppen in Paris verhindern dies jedoch und führen zu seiner Freilassung.
Ein schwerer Unfall mit seinem Motorrad während eines Wartungsaufenthalts
bei Citroen zwingen ihn dazu, in einer privaten Klinik für über
ein Jahr zu bleiben und sich sechs Operationen zu unterziehen, um
sein linkes Bein zu retten. Dennoch wird es 3cm kürzer bleiben.
Während dieser Zeit zeichnet er viele Portraits und widmet sich
dem Studium von Patenten. Er erlernt die deutsche Sprache und beginnt,
ein Architekturstudium zum Erwerb des Diploms aufzunehmen. Sein
Versuch, ein Patent für einen "magnetischen Torpedo" für das italienische
Marineministerium zu entwickeln (der Magnet an der Spitze des Torpedos
soll beim Orten von Schiffsrümpfen helfen), scheitert beim Ministerium
jedoch aufgrund der Tatsache, daß ein praktischer Nachweis der Einsatztauglichkeit
nicht möglich ist.
1941:
Zum Jahresende nimmt er seine Arbeit bei Citroen wieder auf, und
beginnt zur gleichen Zeit in seinem Studio in der "48, Rue du Theatre",
seine neuen Skulpturen für die verschiedenen Pariser Ausstellungen
zu formen.
1942:
Für eine kurze Zeit kehrt er zu seiner Mutter Angela und seinem
Sohn Leonardo nach Varese zurück und um sich weiter zu erholen.
1943:
Während einer eigenen Ausstellung am Montparnasse lernt er Lucienne
Marodon kennen und verliebt sich in die Primaballerina der Mailänder
Scala und der Pariser Oper.
1944:
Am Freitag, dem 25. August, wird Paris befreit. 6 Tage später, am
31. August, wird Bertoni erneut verhaftet, diesmal angeklagt, mit
den Deutschen kollaboriert zu haben. 3 Tage später wird er wegen
Unhaltbarkeit der Anklage freigelassen.
1945:
Bei Citroen widmet er sich wieder der Arbeit am 2CV und dem "Voiture
a Grande Diffusion" ("VGD", der späteren DS), das den Traction Avant
ersetzen soll. Bertoni stellt weitere künstlerische Arbeiten auf
den größten Ausstellungen in Paris vor. Am "Institut der Schwestern
der Nächstenliebe", einem Orden italienischer Nonnen in Paris, schließt
er Freundschaft mit dem päpstlichen Gesandten in Frankreich, Angelo
Roncalli (der spätere Papst Johannes XXIII) , und seinem Berater
Silvio Oddi (der später Kurienkardinal im Vatikan wurde).
1946:
Flaminio Bertoni kehrt nach Varese zurück und trifft Giovanna, um
mit ihr über die Zukunft ihres Sohnes Leonardo zu beraten, dessen
Sorgerecht der Mutter am 26. August dauerhaft übertragen wurde.
1947:
Am 27. März heiratet er Lucienne Marodon in der Kapelle der "Italienischen
Schwestern der Nächstenliebe".
1948:
Am 7. Oktober stellt er auf dem Pariser Automobilsalon sein zweites
großes Design vor: der 2CV, der zu einem weltweiten Meilenstein
wird.
1949:
Am 27. Juni wird sein zweiter Sohn Sergio
geboren. Zwei Tage später hält er sein Architektur-Diplom in den
Händen, und kann damit die Früchte seiner Studien während des Klinikaufenthalts
von 1940 ernten. In diesem Jahr reicht er beim Industrie-Ministerium
die Patente für einen "vielfach
verstellbaren Halterg" und eine "Feder
mit dreifachem Anpreßdruck" ein.
1950:
Seine architektonischen Fähigkeiten stellt er mit verschiedenen
Projekten in Paris und Umgebung unter Beweis. Er wird als Ehrenmitglied
der "Accademia deglie Euteleti" in St. Miniato di Pisa vorgeschlagen,
nachdem er der Akademie die Totenmaske von Napoleon
übereignet hat, die er bei einem Antiquitätenhändler in der Rue
Montparnasse in Paris fand. Aufgrund von Nachforschungen der Akademie
war dies der erste bekannte Abrduck des ehemaligen Kaisers.
1953:
Bertoni erhält den ersten Preis für Zeichnungen und den zweiten
Preis für seine Skulpturen in der "Internationalen Ausstellung der
Freien Künste" in Paris.
1954:
Wieder erhält er ein Jahr später den ersten Preis für seine Skulpturen
in dieser Ausstellung.
1955:
Flaminio Bertonis "Meisterstück", der DS
19, wird auf dem Pariser Automobilsalon der Öffentlichkeit vorgestellt.
Neben einem Meilenstein in der Automobilgeschichte in diesem Jahrhundert
hebt es Bertoni auch in die "ewige Ruhmeshalle der Stylisten".
1956:
Im Umfeld architektonischer Leistungen patentiert er ein neuartiges
Verfahren
für die Konstruktion von Wohnhäusern, auf dessen Basis in St.
Louis (USA) über 1000 neuer Häuser in nur 100 Tagen Bauzeit entstehen.
Die UNESCO bittet ihn, seine Skulpturen auf einer Ausstellung in
Limoges zu den Olympischen Spielen in Melbourne zu präsentieren.
Er ist dort mit drei Werken präsent.
1957:
Auf der Triennale
in Mailand erreicht der Citroen DS 19 den Preis für die beste industrielle
Kunst.
1959:
Wieder erringt Bertoni den ersten Preis für seine Skulptur auf der
"Internationalen Ausstellung der Freien Künste" und den zweiten
Preis auf der "Ausstellung französischer Künstler" in Paris.
1960:
Dritter Preis auf der "Ausstellung französischer Künstler". Er beginnt
mit dem Entwurf und Konstruktion seines neuen Ateliers in der Rue
Ville Maurice in Antony.
1961:
Sein letztes automobiles Design, der Citroen Ami
6, erscheint am 24. April auf dem Markt. Der französische Kulturminister
und Nobelpreisträger Andre Malraux ernennt Bertoni zum "Ritter des
Ordens der Künste und Schriften der französischen Republik" - die
gerechte Anerkennung eines Mannes, der so viel für die französische
Kultur geschaffen hat.
1962:
Erneut wird Bertoni der erste Preis auf der "Internationalen Ausstellung
der Freien Künste" verliehen.
1964:
am 7. Februar erliegt Flaminio Bertoni einem Gehirnschlag. Helios
Ilo Trabuyo, Herausgeber des "künstlerischen und literarischen Erwachens"
in Paris schrieb diesen Nachruf: "Mit Flaminio Bertoni haben wir
den Skulpteur von Talenten und einen wahren Freund verloren. Wir
sind über seinen plötzlichen Tod unseres großen Freundes Flaminio
Bertoni sehr fassungslos. Er besaß einen höheren Geist und eine
edle Seele. Er zählt zu jener Elite, die aus dem hervorgeht, was
wir eine "humane Gesellschaft" nennen..."
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